Sommerzeit – Festivalzeit
Was wäre der Sommer ohne großartige Musik im Freien? Ein Sommer ohne laute Gitarren, tanzende Menschen, lange Abende und gemeinsame Erinnerungen wäre kaum derselbe. Wenn die Tage heller und wärmer werden, beginnt auch im Norden wieder die Zeit der Festivals, Open-Air-Konzerte und Partys.
Viele Veranstaltungen bieten sich dafür an: das Horn to be Wild in Bremen, das Roskilde Festival in Dänemark, das Deichbrand Festival bei Cuxhaven, das Hurricane in Scheeßel oder das MS Dockville in Hamburg. Sie alle stehen für Musik, Begegnung und besondere Sommermomente. Gleichzeitig gilt: Wo viele Menschen feiern, entsteht auch viel Müll. Verpackungen, Einwegartikel, zurückgelassene Zelte, Essensreste und Anreiseverkehr belasten die Umwelt.
Die gute Nachricht: Viele Veranstalter denken längst um. Mehrwegbecher, Müllpfand, bessere Mülltrennung, nachhaltigere Sanitärlösungen, Ökostrom, vegetarische und vegane Angebote, regionale Produkte sowie Anreize für eine umweltfreundliche Anreise gehören bei immer mehr Festivals zum Konzept.
Welche Musikfestivals setzen auf Nachhaltigkeit?
2026 ist Nachhaltigkeit längst kein Nischenthema mehr. Wir wissen, dass wir auf einem kleinen blauen Planeten leben, der uns viel gibt – und den wir besser schützen müssen. Dafür braucht es nicht immer die eine große Aktion. Auch viele kleine Schritte helfen: weniger Einwegmüll, bewusster Konsum, Anreise mit Bahn oder Fahrrad, Mehrweg statt Wegwerfen und ein respektvoller Umgang miteinander.
Musikfestivals hatten lange nicht den Ruf, besonders umweltfreundlich zu sein. Doch auch hier hat sich viel getan. Große und kleine Veranstalter zeigen, dass Festivalspaß und Umweltbewusstsein zusammenpassen können. Wir zeigen euch, wo ihr in diesem Sommer feiern könnt – und wie ihr selbst dazu beitragt, dass die Umwelt nicht zu kurz kommt.
Horn to be Wild: ein letztes Mal im Rhododendronpark
Das Horn to be Wild in Bremen lebt von seinem Ruf als entspanntes, junges und ehrenamtlich getragenes Festival. 2026 findet es am 5. September im Rhododendronpark Bremen statt – und zwar zum 11. und letzten Mal. Der Fokus liegt weiterhin auf Livemusik von jungen Künstlerinnen und Künstlern aus dem Newcomer-Bereich, dazu kommen Mitmachangebote, Food- und Drink-Stände sowie Festivalatmosphäre im Grünen.
Gerade ein Festival in einem Park macht deutlich, wie wichtig ein achtsamer Umgang mit der Umgebung ist. Wo viele Menschen zusammenkommen, entsteht Müll. Umso wichtiger sind Mehrwegangebote, Pfandlösungen, klare Sammelstellen und Besucherinnen und Besucher, die ihren Platz sauber hinterlassen. Wer im Park feiert, sollte ihn so verlassen, dass sich auch am nächsten Tag noch alle darüber freuen können.
Warum nicht selbst etwas beisteuern?
Nachhaltigkeit auf Festivals beginnt nicht erst beim Veranstalter. Auch ihr könnt viel tun: Nehmt nur mit, was ihr wirklich braucht. Nutzt Mehrwegflaschen und Mehrwegbecher. Sammelt euren Müll direkt in Säcken. Lasst keine Zelte, Pavillons oder Campingstühle zurück. Verzichtet auf Plastikkonfetti, Einweggrills und unnötige Verpackungen.
Wer sein Zelt sauber abbaut, Müll trennt und wieder mitnimmt, spart Ressourcen und sorgt dafür, dass die Festivalfläche schneller wieder nutzbar ist. Das gilt für große Campingfestivals genauso wie für kleinere Open-Air-Veranstaltungen. Ein sauberer Platz bedeutet mehr Raum zum Tanzen, weniger Belastung für die Natur und ein besseres Gefühl für alle.
Auf Ehrenamt keinen Bock?
Schade eigentlich, denn ein Ehrenamt auf einem Festival kann richtig viel bringen. Ihr lernt neue Leute kennen, bekommt Einblicke hinter die Kulissen, seid Teil eines Teams und macht ein Event überhaupt erst möglich. Nebenbei sammelt ihr Erfahrungen, die sich auch im Lebenslauf gut machen.
Das Horn to be Wild ist ein gutes Beispiel dafür: Entstanden ist das Festival aus einer Jugendinitiative und wird von jungen Erwachsenen ehrenamtlich organisiert. Auch das Roskilde Festival in Dänemark setzt stark auf freiwillige Hilfe. Das Festival gibt es seit den 1970er-Jahren, es ist Non-Profit organisiert und bringt jedes Jahr eine riesige internationale Festivalgemeinschaft zusammen. Freiwillige Helferinnen und Helfer unterstützen dort unter anderem Aufbau, Betreuung, Organisation und Gästeservice.
Bei Roskilde geht es nicht nur um Musik, sondern auch um Gemeinschaft und gesellschaftliches Engagement. Die Gewinne fließen in gemeinnützige Zwecke. Auf den Bühnen stehen internationale Acts aus Rock, Pop, Hip-Hop, Metal, Electronic und vielen weiteren Genres. 2026 läuft das Festival vom 27. Juni bis 4. Juli – also genau in der Hochphase des Festivalsommers.
Deichbrand: Festivalstadt mit Verantwortung
Das Deichbrand Festival bei Cuxhaven findet 2026 vom 16. bis 19. Juli statt. Das Festival ist längst eine eigene kleine Stadt auf Zeit: mit Bühnen, Campingflächen, Essensständen, Wegen, Treffpunkten und vielen tausend Besucherinnen und Besuchern.
Bei einer solchen Größenordnung ist Nachhaltigkeit eine echte Herausforderung. Das Deichbrand verweist deshalb auf Maßnahmen, mit denen der ökologische Fußabdruck kleiner werden soll. Dazu gehören unter anderem Müllvermeidung, Pfandsysteme, eine bewusstere Organisation vor Ort und die Unterstützung durch die Besucherinnen und Besucher. Denn auch das beste Konzept funktioniert nur, wenn alle mitmachen.
Ein wichtiger Punkt ist die Anreise. Wer gemeinsam fährt, Bahn und Shuttle nutzt oder Fahrgemeinschaften bildet, spart Emissionen und entlastet die Straßen rund um das Festivalgelände. Und das Schöne am Deichbrand bleibt natürlich: Die Nordsee ist nicht weit.
Hurricane: großes Festival, große Verantwortung
Das Hurricane Festival in Scheeßel gehört zu den bekanntesten Rock- und Popfestivals in Deutschland. 2026 fand es im Juni statt und feierte zugleich sein 30-jähriges Jubiläum. Über die Jahre standen dort viele große Namen auf der Bühne, von Rock über Alternative bis Pop und Elektro.
Gerade bei einem Festival dieser Größe spielt Nachhaltigkeit eine wichtige Rolle. Das Hurricane verweist auf verschiedene Maßnahmen rund um Ressourcen, Müll, soziale Verantwortung und Anreise. Besonders wichtig ist die Gästemobilität: Der Bahnhof Scheeßel liegt nur wenige Gehminuten vom Festivalgelände entfernt. Wer mit dem Zug anreist, vermeidet Stau, spart Emissionen und kommt oft entspannter an.
Auch vor Ort gilt: Mehrweg nutzen, Müll trennen, keine Einwegartikel mitbringen und den Campingplatz sauber verlassen. Stimmung entsteht nicht durch Plastikmüllberge, sondern durch Musik, Licht, Gemeinschaft und Rücksicht.
MS Dockville: Musik, Kunst und weniger Fleisch
Das MS Dockville Festival in Hamburg-Wilhelmsburg findet 2026 am 14. und 15. August statt. Zwischen Hafen, Industrieatmosphäre, Kunstinstallationen und Musik entsteht dort ein ganz eigener Festivalcharakter. Das Dockville verbindet Konzerte, Clubsound, Kunst, Performance und urbane Kultur.
Auch hier spielt Nachhaltigkeit eine Rolle. Das Festival setzt bei der Verpflegung auf vegetarische und vegane Speisen und verzichtet aus Nachhaltigkeitsgründen auf Fleisch im Essensangebot. Außerdem lässt sich das Gelände in Hamburg gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder dem Fahrrad erreichen. Wer sein Auto stehen lässt, verkleinert den eigenen ökologischen Fußabdruck deutlich.
Dazu passt: Achtet auch hier auf Mehrweg, nehmt eure Sachen wieder mit und spendet Pfand, wenn ihr die Möglichkeit habt. Kleine Entscheidungen machen bei vielen Besucherinnen und Besuchern einen großen Unterschied.
Tipps für Musikfestivalfans
Nachhaltiger feiern ist nicht kompliziert. Diese Dinge helfen sofort:
Reist möglichst mit Bahn, Bus, Fahrrad oder in Fahrgemeinschaften an. Packt bewusst und nehmt nur mit, was ihr wirklich braucht. Nutzt Mehrwegflaschen, Mehrwegbecher und Brotdosen. Verzichtet auf Plastikkonfetti, Einwegbesteck und Wegwerfgrills. Kauft Essen und Getränke möglichst regional, vegetarisch oder vegan. Trennt euren Müll und gebt Pfand zurück. Baut euer Zelt ab und nehmt es wieder mit. Achtet auf eure Freundinnen und Freunde – und auf die Menschen um euch herum.
Letztendlich soll ein Musikfestival Spaß machen, den Alltag vergessen lassen und Raum für gute Musik, Begegnungen und neue Erinnerungen schaffen. Genau deshalb lohnt es sich, dabei mehr Rücksicht aufeinander und auf die Umwelt zu nehmen. Denn der beste Festivalsommer ist einer, an den man sich gern erinnert – ohne dass die Natur die Rechnung dafür zahlen muss.




